Gerade groß genug

„Eingezwickt“ zwischen den Gleisen der ÖBB und der Triester Straße ist das Baufeld mit 5.000m2 für eine U-Bahn-Baustelle eigentlich nicht besonders groß. Eigentlich. Dennoch ist es das größte, das für den Bau der neuen U-Bahn-Strecken zur Verfügung steht.

Vor knapp einem halben Jahr erfolgte hier der Spatenstich für das Linienkreuz U2xU5. Seither wird fleißig am Startschacht für die Tunnelbohrmaschine gebaut, die sich von hier aus ihren Weg bis zum Augustinplatz im 7. Bezirk bahnen wird.

65 Meter lang, 35 Meter breit und fast ebenso tief

Für einen Schacht dieser Dimension ist auch das Baufeld am Matzleinsdorfer Platz „gerade einmal groß genug“ – und Lagerflächen sind rar. Alles was nicht in den nächsten 24 Stunden verbaut wird, hat hier keinen Platz. Bis zu 100 Lkw liefern deshalb täglich das Baumaterial an und transportieren den Aushub ab.

Ein großes „Loch“ ist aber trotzdem noch nicht zu sehen, denn zuallererst muss die sogenannte Baugrubensicherung hergestellt werden. Aus statischen Gründen werden dafür bei diesem gewaltigen Schacht Schlitzwände hergestellt – anstelle von Bohrpfählen, wie sie bei den anderen Stationen für die Deckelbauweise eingesetzt werden.

Vom Schlitz, zur Wand, zur Grube

Schlitzwände sind enorm massive Stahlbetonwände, die später auch die Außenschale und das Fundament der künftigen Station bilden. Sie müssen deshalb sogar noch tiefer reichen, als die künftigen Bahnsteige selbst liegen werden.

Ein sogenannter Schlitzwandgreifer gräbt dafür 50 bis 60 Meter tiefe und 1,2 Meter breite Schlitze in den Boden. Leitwände aus Beton sorgen dafür, dass im richtigen Winkel hinunter gegraben wird. Gleichzeitig wird der entstehende Schlitz mit einer Stützflüssigkeit aus Bentonit gefüllt, damit die Erde nicht nachrutschen kann. Sobald die finale Tiefe erreicht ist, wird ein Bewehrungskorb aus Stahl in den Schlitz gehoben, das Bentonit abgepumpt und durch stabilisierenden Beton ersetzt.

Ausblick

Auch wenn man sie nicht sehen kann, die Schlitzwände sind fast fertig. Bis Mitte April sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann geht es Schritt für Schritt unter die Oberfläche. Sobald die Baugrube tief genug ist, sodass Bagger und Radlader darin arbeiten können, wird die oberste Decke verschlossen. Offen bleibt dann lediglich ein Förderschacht, über den der weitere Aushub hinausbefördert und das Baumaterial und die Maschinen hineingebracht werden können.

Bis die Bodenplatte in einer Tiefe von rund 35 Metern erreicht ist, werden rund eineinhalb Jahre vergehen. Erst dann folgt der große Auftritt der Tunnelbohrmaschine. Denn auch sie wird über diesen Förderschacht in Einzelteilen unter die Erde gelangen, dort zusammengebaut und den U2-Tunnel Richtung Zentrum graben.